Market Quick Take – 4. April 2025

Saxo Strategy Team
Market Quick Take – 4. April 2025
Markttreiber und -katalysatoren
- Aktien: Trump-Zölle treffen Aktienmärkte hart; 2,4 Billionen USD vernichtet; EU und Asien folgen.
- Volatilität: VIX erreicht 30; kurzfristige Volatilität steigt; Fokus auf Powell.
- Digitale Assets: Bitcoin stabil; XRP im Plus; Kryptowerte stürzen ab.
- Währungen: CHF und JPY als sichere Häfen gefragt, USD stabilisiert sich nach anfänglichem Schockrückgang.
- Fixed Income: Starke Nachfrage nach globalen Staatsanleihen aufgrund eines Zusammenbruchs der Risikostimmung, da sich die Märkte auf Rezessionsrisiken einstellen.
- Rohstoffe: Silber und Kupfer führen den größten Tagesverlust seit 2022 an.
- Makro-Ereignisse: US-Arbeitsmarktbericht März (Nonfarm Payrolls), US-Arbeitslosenquote März, Rede von US-Notenbankchef Powell.
Der vierteljährliche Ausblick von Saxo wurde veröffentlicht und ist über SaxoTraderGO in der Research Section oder im Web verfügbar.
Makrodaten und Schlagzeilen
- Der US-ISM Services PMI fiel im März 2025 auf 50,8 gegenüber 53,5 im Februar und unter der Prognose von 53. Es ist das schwächste Wachstum seit Juni letzten Jahres. Neue Aufträge, Lagerbestände und Lieferzeiten verlangsamten sich, während die Beschäftigung stark auf 46,2 von 53,9 im Februar zurückging. Auch die Auftragsrückstände schrumpften erneut. Die Produktion stieg, während der Preisdruck nachließ.
- Die Stellenstreichungen in den USA stiegen im März im Jahresvergleich um 205 % auf insgesamt 275.000 – der höchste Wert seit Beginn der Pandemie im Jahr 2020.
- Die fortlaufenden Arbeitslosenmeldungen in den USA stiegen in der Woche zum 22. März um 56.000 auf 1.903.000 – der höchste Stand seit November 2021 – und lagen damit über der Prognose von 1.860.000. Dies deutet auf zunehmende Schwierigkeiten hin, wieder in den Arbeitsmarkt einzutreten. Gleichzeitig sanken die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 6.000 auf 219.000, unter den erwarteten 225.000.
- In Japan gingen die Konsumausgaben der Haushalte im Februar 2024 im Jahresvergleich um 0,5 % zurück, nach einem Anstieg von 0,8 % im Januar und besser als die Prognose von –0,8 %. Dies war der erste Rückgang seit November, aber weniger stark als die erwartete Abnahme von 1,7 %.
- Der kanadische Premierminister Carney kündigte Zölle von 25 % auf nicht-konforme US-Fahrzeugimporte gemäß USMCA an und versprach, gegen die US-Zölle vorzugehen, bis diese aufgehoben werden. Er bekräftigte bestehende Vergeltungsmaßnahmen und versprach eine starke Antwort auf neue US-Zölle, mit dem Ziel, die Beziehungen zu den USA neu zu definieren.
Wichtige Makrotermine (alle Zeiten in GMT)
- 12:30 – US-Arbeitsmarktbericht März (Nonfarm Payrolls)
- 12:30 – US-Arbeitslosenquote März
- 12:30 – US-Durchschnittlicher Stundenlohn März
- 12:30 – Kanadische Arbeitsmarktdaten März
- 15:25 – Rede von US-Notenbankchef Powell zur Wirtschaftslage
Unternehmensberichte
Nächste Woche:
- Mittwoch: Delta Airlines
- Donnerstag: Tesco, Progressive Corporation
- Freitag: JP Morgan, Wells Fargo, Morgan Stanley, Blackrock, Bank of New York Mellon, Fastenal
Aktien
- US-Aktien erlebten ihren schlechtesten Tag seit 2020, nachdem Trump umfassende Zölle angekündigt hatte: ein Basissatz von 10 % auf alle Importe, mit höheren Sätzen für wichtige Handelspartner. Der S&P 500 stürzte um 4,84 % ab und vernichtete 2,4 Billionen USD an Marktwert, während der Nasdaq 100 um 5,41 % fiel und der Dow Jones 3,98 % verlor. Apple (-9,2 %), Nvidia (-7,8 %) und Amazon (-9 %) führten die Verluste im Technologiesektor an. Auch Einzelhändler und Banken wurden stark abverkauft, mit Rückgängen von über 13 % bei Nike und Dollar Tree. Ein leichter Anstieg der Futures deutet darauf hin, dass Anleger auf den heutigen Arbeitsmarktbericht und die Rede von Powell warten, um Klarheit zu gewinnen.
- Die europäischen Aktienmärkte fielen im Gleichschritt, da Gegenzölle die Stimmung belasteten. Der DAX fiel um 3,0 %, der CAC 40 um 3,3 %, der FTSE 100 um 1,55 % und der Euro Stoxx 50 um 3,7 % – die schlechteste Sitzung seit Juli 2024. Zölle auf EU-Autos (25 %) und breitere Abgaben von 20 % führten zu massiven Verlusten in der Autoindustrie (Adidas -11,7 %), im Logistiksektor und bei Banken. Auch Schweizer Aktien gaben um 2,5 % nach (UBS -8,3 %, Logitech -16,5 %).
- In Asien fiel der japanische Nikkei um 2,5 % und der australische ASX 200 erreichte ein Achtmonatstief. Die Märkte in China und Hongkong waren geschlossen, aber der südkoreanische KOSPI setzte seinen Rückgang fort (-1,02 %) nach der offiziellen Absetzung von Präsident Yoon.
Volatilität
Der VIX sprang um 39,56 % auf 30,02 – der höchste Stand seit August – und spiegelte die steigende Angst nach dem Kursrutsch am Donnerstag wider. Die kurzfristige Volatilität explodierte: Der VIX1D stieg um 26,8 % und der VIX9D um 40,4 %, was auf wachsende Nervosität vor dem heutigen Arbeitsmarktbericht und Powells Rede hindeutet. Die VIX-Futures (VX1) blieben stabil, doch intraday-Schwankungen bleiben wahrscheinlich. In Europa stieg der VDAX um 13 %, entsprechend dem Rückgang des DAX um 3 %. Das Handelsvolumen mit DAX-Optionen stieg um 44 %, und die Options-Skew war leicht erhöht – was auf fortgesetzte Absicherungsaktivität hindeutet, jedoch ohne Anzeichen für eine völlige Panik.
Digitale Assets
Trotz der globalen Risikoaversion hielten sich Kryptowährungen relativ stabil. Bitcoin legte leicht um 0,03 % auf 83.191 USD zu, während Ethereum um 0,62 % fiel und XRP um 0,36 % stieg. XRP entwickelte sich überdurchschnittlich, nachdem Coinbase einen Antrag auf die Einführung von XRP-Futures gestellt hatte – unter Berufung auf dessen Liquidität und regulatorische Klarheit nach dem teilweisen juristischen Erfolg von Ripple. Krypto-bezogene Aktien stürzten ab – Coinbase verlor 6,66 %, MicroStrategy 9,76 % und Mining-Unternehmen wie Marathon und Riot fast 10 %. Trader beobachten, ob die Fed früher lockern könnte, was das Interesse an Kryptowährungen neu entfachen würde – vorerst jedoch dominiert Vorsicht angesichts wachsender Rezessionssorgen.
Fixed Income (Anleihen)
- Die weltweiten Renditen brachen ein, nachdem riskante Anlagen aufgrund der jüngsten US-Zollankündigungen abverkauft wurden. Anleger positionieren sich nun nicht nur für eine mögliche Rezession in den USA, sondern auch für eine globale Rezession. In den USA ist die Rendite der zweijährigen Staatsanleihe seit Mittwoch um 22 Basispunkte gefallen und liegt heute Morgen bei 3,64 %, da der Markt nun vier Zinssenkungen durch die Fed bis Jahresende einpreist. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe ist seit Mittwoch weniger stark gefallen, da sich die US-Zinskurve versteilert hat – ein Rückgang von rund 13 Basispunkten, aktuell knapp unter 4,0 %.
- Auch außerhalb der USA waren Staatsanleihen stark gefragt, da der Markt vermehrt geldpolitische Lockerungen durch die Zentralbanken einpreist. Die Rendite der zweijährigen deutschen Schatzanweisung fiel gestern um 9 Basispunkte auf 1,95 %, nahe dem Mehrjahrestief, während die britische zweijährige Gilt-Rendite um 16 Basispunkte auf 4,01 % sank. In Japan nahm die Volatilität bei JGBs deutlich zu, da die Märkte damit begannen, Zinserhöhungen der BoJ auszupreisen – die Rendite der zweijährigen JGB fiel seit Mittwoch um über 20 Basispunkte auf 0,63 % heute Morgen, während langfristige Anleihen stark nachgefragt waren. Die zehnjährige JGB-Rendite brach auf 1,21 % ein – 26 Basispunkte unter dem Schlussstand von Mittwoch.
- US-Hochzinsanleihen (Junk Bonds) gerieten unter erheblichen Druck, da die Risikoscheu an den Aktienmärkten auch auf riskantere Schuldpapiere übergriff. Ein Bloomberg-Indikator für den Spread zwischen Hochzinsanleihen und US-Treasuries weitete sich dramatisch auf 387 Basispunkte aus – ein Anstieg von 52 Basispunkten an einem einzigen Tag gegenüber dem Vortag.
Rohstoffe
- Die Rohstoffpreise verzeichneten ihren stärksten Rückgang seit über zwei Jahren, nachdem Trumps umfassende Zollmaßnahmen Rezessionsängste und Sorgen um die globale Nachfrage auslösten. Der Bloomberg Commodity Index fiel am Donnerstag um 2,5 % – der stärkste Tagesverlust seit Dezember 2022 – und liegt damit auf Wochensicht rund 2 % im Minus. Verluste bei Silber, Kupfer und Aluminium führten den Rückgang an, während kleinere Zugewinne bei Weizen, Kaffee und Erdgas diesen nur teilweise ausgleichen konnten.
- Der dramatische Preisverfall bei Silber setzte sich über Nacht fort. Gold blieb stabil bei rund 3.100 USD, gestützt durch den Rückgang von US-Dollar und Anleiherenditen. Das Gold-Silber-Verhältnis sprang über die Marke von 98 – der höchste Stand seit 2020. Der Ausverkauf wurde von COMEX-Futures angeführt, da das Risiko von Importzöllen nachließ, was zu Spekulationen führte, dass die jüngsten Zuflüsse von Silber in die von COMEX überwachten Lager bald umkehren könnten – und so das Angebot in einem ohnehin durch Rezessionsängste geschwächten Markt erhöhen würden.
- Die Ölpreise gerieten unter Druck durch einen doppelten Schlag von Trump und der OPEC+: Zum einen belasten zollbedingte Rezessionsrisiken die Nachfrage, zum anderen überraschte die OPEC+ mit der Ankündigung, die geplante Produktionsausweitung für Mai vorzuziehen. Der WTI-Preis nähert sich Niveaus, bei denen US-Produzenten bei neuer Förderung mit Rentabilitätsproblemen rechnen müssen. Die Maßnahme der OPEC+ signalisiert offenbar die Bereitschaft, kurzfristige Preisschwächen zu akzeptieren, um Marktanteile zurückzugewinnen.
Währungen
- Der US-Dollar stand gestern nach der Zollankündigung durch Trump unter starkem Druck, da der Markt verstärkt mit Zinssenkungen der Fed rechnet. Seitdem hat sich die Lage jedoch differenzierter entwickelt. Während der EURUSD heute Morgen weiterhin um die Marke von 1,1100 schwankt, hat das Währungspaar AUDUSD über Nacht stark nachgegeben, den gestrigen Anstieg vollständig abgegeben und notiert nun nahe der jüngsten Tiefs.
- CHF und JPY dienten als sichere Häfen, wobei der USDCHF von über 0,8800 (vor Trumps Ankündigung) auf 0,8550 heute Morgen gefallen ist. Der USDJPY notiert unter 146,00, und auch die Yen-Crosses stehen unter Druck, da der Rückgang globaler Anleiherenditen die Attraktivität des JPY erhöht.