Die 10 beliebtesten Handelsindikatoren im Überblick

Saxo Group
Beim Trading geht es darum, Trends zu erkennen und diese Informationen zu nutzen, um Vorhersagen über die zukünftige Entwicklung zu treffen. Trader verwenden oft Indikatoren als Strategie. Obwohl sie nicht unfehlbar sind, helfen Handelsindikatoren dabei, einen Überblick über den Markt zu gewinnen und neue Trends frühzeitig zu erkennen. Dieser Artikel erklärt, was Handelsindikatoren sind und stellt 10 der beliebtesten vor.
Was sind Handelsindikatoren?
Handelsindikatoren sind mathematische Formeln, mit denen Sie zusätzliche Informationen in einem Preischart darstellen können. Diese Informationen helfen, mögliche Signale, Trends und Änderungen im Momentum zu identifizieren. Einfach gesagt zeigen Handelsindikatoren, wann etwas Wichtiges passieren könnte.
Es gibt Frühindikatoren und nachlaufende Indikatoren. Frühindikatoren deuten an, was in Zukunft passieren könnte, während nachlaufende Indikatoren einen Überblick über die Vergangenheit geben. Kein Handelsindikator kann mit Sicherheit vorhersagen, was der Markt als nächstes tun wird. Sie können sie aber zusammen mit anderen Analysen nutzen, um Aktien, Forex und andere handelbare Instrumente besser zu verstehen.
10 gängige Handelsindikatoren, die Sie verwenden können
Hier sind 10 beliebte Handelsindikatoren, die Sie ausprobieren können.
1. Simple Moving Average (SMA)
Ein einfacher gleitender Durchschnitt berechnet den Durchschnitt mehrerer Preispunkte über einen bestimmten Zeitraum, um eine einzelne Trendlinie zu erstellen. Diese Trendlinie zeigt, ob der Wert eines Assets steigt (bullish) oder fällt (bearish).
Der SMA-Indikator hilft Ihnen, die Richtung eines Preistrends ohne kurzfristige Schwankungen zu erkennen. Er wird über einen festgelegten Zeitraum berechnet. Ein 12-Tage-SMA nimmt zum Beispiel täglich Preispunkte (Schlusskurs an jedem Tag) und verwendet sie für einen Gesamtdurchschnitt. Das ist ein nachlaufender Indikator, da er auf vergangenen Preistrends basiert. Sie können aber Unterstützungs- und Widerstandslevels verwenden, um mögliche zukünftige Preismuster zu bestimmen.
Wie man einfache gleitende Durchschnitte verwendet
Um den gleitenden Durchschnitt eines Instruments zu finden, addieren Sie die Preispunkte für einen bestimmten Zeitraum und teilen sie durch die Anzahl der Preispunkte. Nehmen wir an, Sie haben einen 12-Tage-SMA mit folgenden täglichen Schlusskursen:
1.2 + 1.3 + 1.1 + 1.1 + 1.4 + 1.3 + 1.2 + 1.5 + 1.3 + 1.1 + 1.5 + 1.4
Der gleitende Durchschnitt für diesen Indikator basierend auf den obigen Preisen wäre: 15.4 / 12 = 1.28
2. Exponential Moving Average (EMA)
Ein exponentieller gleitender Durchschnitt erstellt einen durchschnittlichen Trend aus mehreren täglichen Preispunkten. Im Gegensatz zu einem SMA werden bei einem EMA die jüngsten Datenpunkte stärker gewichtet.
Ein EMA-Indikator liefert ähnliche Informationen wie ein einfacher gleitender Durchschnitt. Das heisst, Sie verwenden Preispunkte über eine festgelegte Anzahl von Tagen, um einen Durchschnitt zu erhalten. Dieser Durchschnittspreis zeigt, ob der Trend bullish oder bearish ist.
Der Hauptunterschied zwischen EMA und SMA ist jedoch, dass EMAs den jüngsten Preisen mehr Bedeutung beimessen. Anders gesagt haben Preisdaten am Ende der Analyseperiode mehr Einfluss, weil sie für den aktuellen Zustand des Instruments als relevanter angesehen werden.
Wie man exponentielle gleitende Durchschnitte verwendet
Um den EMA zu berechnen, müssen Sie zuerst den SMA berechnen. Dann brauchen Sie einen Multiplikator. Den bekommen Sie, indem Sie 2 durch die Anzahl der Preispunkte (+1) teilen. Schliesslich berechnen Sie den EMA mit aktuellen und vergangenen Preisen sowie dem Multiplikator.
Wenn Sie zum Beispiel den 12-Tage-EMA betrachten wollen, gehen Sie wie folgt vor:
- Berechnen Sie den SMA: Anhand des Beispiels aus dem vorherigen Abschnitt kann der SMA 1,28 betragen.
- Berechnen Sie den Multiplikator: 2 / (12+1) = 0,1538 X 100 = 15,38%.
- EMA: (Täglicher Schlusskurs - EMA des Vortages) X Multiplikator + EMA des Vortages
Für dieses Beispiel ist der EMA des Vortages 1,28. Nehmen wir an, der aktuelle Schlusskurs ist 1,30. Jetzt fügen wir den Multiplikator von 15,38% hinzu, als Dezimalzahl (0,1538), und erhalten die EMA-Formel:
(1.41 - 1.28) X 0.1538 + 1.28 = 1.29
In diesem Beispiel beträgt der EMA also 1,29.
3. Moving Average Convergence Divergence (MACD)
Die Moving Average Convergence Divergence vergleicht zwei gleitende Durchschnitte, um festzustellen, ob die Preise konvergieren (sich aufeinander zu bewegen) oder divergieren (auseinander driften).
Ein MACD-Indikator erkennt Änderungen im Momentum. Wenn sich also zwei Preisdurchschnitte annähern (konvergieren), bedeutet dies, dass das Momentum abnimmt. Entfernen sich die Durchschnitte weiter voneinander (divergieren), könnte dies ein Zeichen für zunehmendes Momentum sein.
Wie man die Moving Average Convergence Divergence verwendet
Trader zeichnen eine MACD-Linie in einem Chart ein. Das ist der Abstand zwischen zwei gleitenden Durchschnitten. Dann wird eine Signallinie als gleitender Durchschnitt der MACD-Linie hinzugefügt. Wenn die MACD-Linie die Signallinie von unten durchschneidet, kann dies als Kaufsignal genutzt werden. Durchschneidet die MACD die Signallinie von oben, kann dies ein Verkaufssignal sein.
4. Fibonacci-Retracements
Fibonacci-Retracements sind Indikatoren, die bestimmen, wie weit sich der Markt gegen einen Trend bewegen wird, also wie weit er sich von einem aktuellen Trend zurückziehen wird.
Ein Retracement ist ein vorübergehender Rückgang des Marktes. Trader, die Fibonacci-Retracements nutzen, suchen nach diesen Rückgängen, um einzuschätzen, ob der Markt in einen neuen Trend übergehen könnte. Sie versuchen anhand der Stärke eines Retracements Unterstützung oder Widerstand für einen neuen Trend zu finden. Dafür werden Fibonacci-Retracements berechnet.
Wie man Fibonacci-Retracements verwendet
Die Berechnung der Fibonacci-Retracements teilt die höchsten und niedrigsten Preise eines bestimmten Zeitraums. Das Ergebnis wird dann in eine Reihe von Verhältnissen umgewandelt, die den Fibonacci-Zahlen folgen. Man kann Fibonacci-Retracements für Aufwärts- und Abwärtstrends berechnen. Am einfachsten geht das mit einem Online-Rechner.
5. Stochastischer Oszillator
Ein stochastischer Oszillator bestimmt anhand des aktuellen Preises im Vergleich zu einer Reihe von Preisen über einen gewissen Zeitraum, ob der Markt überverkauft oder überkauft ist.
Dieser Indikator kann Ihnen sagen, ob der Markt:
- Überkauft ist, d.h. der aktuelle Preis liegt über einem fairen Wert
- Überverkauft ist, d.h. der aktuelle Preis liegt unter einem fairen Wert
Dafür vergleichen Sie den aktuellen Schlusskurs mit den Schlusskursen über einen bestimmten Zeitraum. Das Ergebnis dieser Berechnung ist eine Punktzahl auf einer Skala von 1 bis 100. Liegt die Punktzahl bei 20 oder darunter, ist der Markt überverkauft. Liegt sie über 80, ist der Markt überkauft.
Wie man den stochastischen Oszillator verwendet
Sie können den stochastischen Oszillator berechnen, indem Sie den niedrigsten Preis für den Zeitraum vom letzten Schlusskurs abziehen. Dann dividieren Sie das Ergebnis durch die Gesamtspanne und multiplizieren es mit 100.
Wenn zum Beispiel der niedrigste Preis über 14 Tage 11 war und der aktuelle Preis 15 beträgt, sieht die Formel so aus:
15 - 11 = 4 / 14 = 0,2857 X 100 = 28,57
In diesem Beispiel scheint der Markt also weder überkauft noch überverkauft zu sein.
6. Bollinger Bands
Ein Bollinger Band zeigt die Preisvolatilität eines Assets innerhalb eines bestimmten Zeitraums an.
Es nimmt den gleitenden Durchschnitt eines Assets über einen Zeitraum und wendet Standardabweichungen oberhalb und unterhalb des aktuellen Preises an. Diese Standardabweichungen bilden eine Spanne (das Band). Bewegt sich der Preis für längere Zeit über die Obergrenze des Bandes, könnte der Markt überkauft sein. Fällt er unter die Untergrenze, könnte der Markt überverkauft sein.
7. Relative Strength Index (RSI) Indikator
Der Relative Strength Index ist ein Oszillator, der auf einem Diagramm mit einer Skala von 1 bis 100 dargestellt wird. Er hilft, das Preismomentum eines Assets zu identifizieren.
Sie können den RSI berechnen, um festzustellen, ob der Markt bullish oder bearish ist. Ein Asset gilt als überkauft, wenn der RSI-Wert über 70% liegt, und als überverkauft, wenn der RSI unter 30% liegt.
Wie man den Relative Strength Index verwendet
Am besten berechnen Sie den RSI mit einem Online-RSI-Rechner. Sobald Sie die relevanten Preisdaten eingegeben haben, erhalten Sie eine prozentuale Punktzahl, anhand derer Sie beurteilen können, ob der Markt über- oder unterbewertet ist.
8. Average Directional Index (ADX) Indikator
Ein Average Directional Index zeigt Ihnen, wie signifikant ein Preistrend auf einer Skala von 0 bis 100 ist.
Der ADX berechnet den gleitenden Durchschnitt über einen bestimmten Zeitraum (normalerweise 14 Tage). Dieser Indikator sagt Ihnen nicht die Richtung eines Trends, sondern deutet an, ob ein aktueller Trend stark oder schwach ist. Dies geschieht durch eine Punktzahl zwischen 0 und 100.
So verwenden Sie den ADX
Normalerweise haben Sie bei diesem Indikator drei Linien auf einem Preischart:
- Die ADX-Linie
- Einen positiven Richtungsindikator (+DI)
- Einen negativen Richtungsindikator (-DI)
Je nachdem, wo sich der aktuelle Preis eines Assets in Bezug auf die drei Linien befindet, können Sie entscheiden, ob es an der Zeit ist zu kaufen (Richtung +DI), zu verkaufen (Richtung -DI) oder zu halten.
9. Standardabweichungs-Indikator
Die Standardabweichung ist ein Indikator, mit dem Trader die Grösse von Preisbewegungen messen können. Diese geben wiederum Hinweise darauf, wie volatil der Markt in Zukunft sein könnte.
Sie können aktuelle Preisbewegungen mit historischen vergleichen, um die Standardabweichung eines Assets zu berechnen. So können Sie feststellen, ob es in der Vergangenheit eine hohe Volatilität auf dem Markt gab und ob in Zukunft mit weiteren Schwankungen zu rechnen ist. Die Standardabweichung misst also die Streuung der Daten im Vergleich zum Durchschnittspreis. Je stärker die Daten streuen, desto höher ist die Volatilität.
Verwendung der Standardabweichung beim Trading
So berechnen Sie die Standardabweichung:
- Berechnen Sie den Durchschnittspreis über einen bestimmten Zeitraum, z.B. 14 Tage.
- Berechnen Sie die Abweichung des Tages, indem Sie den Durchschnittspreis vom täglichen Schlusskurs abziehen.
- Quadrieren Sie die Abweichung jedes Tages (multiplizieren Sie sie mit sich selbst)
- Teilen Sie das Ergebnis des obigen Schrittes durch die Anzahl der Tage im Zeitraum (also 14 Tage in diesem Beispiel).
- Ziehen Sie die Quadratwurzel aus der obigen Zahl, um die Standardabweichung zu erhalten.
10. Ichimoku Cloud Indikator
Die Ichimoku-Wolke ist ein Trading-Indikator, der das Preismomentum schätzt. Das ermöglicht es, mögliche Unterstützungs- und Widerstandsniveaus zu identifizieren.
Eine Ichimoku Cloud verwendet fünf Linien auf einem Preischart. Diese Linien zeigen Preisdaten über unterschiedliche Zeiträume an. Ziel ist es, Punkte zu finden, an denen sich diese Linien schneiden oder sich über-/untereinander bewegen. Das kann auf mögliche Änderungen im Momentum hinweisen, also ob ein Trend unterstützt wird oder der Markt ihm widersteht.
Indikatoren sind nur ein Hinweis auf mögliche Entwicklungen
Indikatoren sind eine hervorragende Möglichkeit, Finanzmärkte zu analysieren und eine Vorstellung davon zu bekommen, wie sich die Preise entwickeln könnten. Sie sind jedoch weder unfehlbar noch geben sie endgültige Antworten darauf, wie sich der Preis eines Assets in Zukunft entwickeln wird. Deshalb werden sie Indikatoren genannt. Sie alle verwenden Systeme und Formeln, um anzudeuten, in welche Richtung sich die Dinge bewegen könnten. Sie können aber nicht genau bestimmen, ob die Preise steigen/fallen werden oder ob Sie kaufen/verkaufen sollten.
Aktienhandel birgt immer ein gewisses Risiko. Es gibt viele unbekannte Variablen und der Markt ist schwer vorherzusagen. Auch wenn Indikatoren nützlich sein können, sollten Sie sie nicht als Antwort auf jedes Szenario betrachten. Nutzen Sie Indikatoren zusammen mit Nachrichten und Updates, Marktforschung und Ihren eigenen Erkenntnissen.
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